Wie die Pandemie die Arbeitswelt veränderte und wie die Zukunft der Arbeit aussehen soll(t)e

2020 war geprägt von der Pandemie: Von der Angst vor einer Erkrankung, notwendigen Einschränkungen und einigen neuen Herausforderungen. Homeoffice, Homeschooling, Kinderbetreuung, neue Arten der Zusammenarbeit, das alles hat uns nun beinahe ein Jahr begleitet und wird uns auch weiterhin begleiten. Denn Fakt ist, auch wenn die Impfkampagnen starten, vorbei ist die Pandemie noch lange nicht.

Wird 2021 trotzdem alles gut oder krebsen wir weiter mit Übergangslösungen von einem Lockdown zum nächsten? Und was ist „gut“? Ist alles gut, wenn die Pandemie vorbei ist und alle wieder zurück zu ihrem alten Arbeitsplatz können, in die Büros und Unternehmen und endlich wieder „normal“ ihren Job machen können? Oder ist alles „gut“, wenn endlich alle erkannt haben, welche Möglichkeiten und Lösungen die Digitalisierung bietet und Homeoffice nicht mehr als Notlösung, sondern als vollwertiger Arbeitsplatz mit definierten Richtlinien und ausgearbeiteten Onboardingstrategien angesehen wird?

Wie normal ist die Neue Normalität?

Sehen wir es realistisch: Aktuell ist zumindest nichts wirklich gut. Und die oft angepriesene „neue Normalität“ ist in vielen Unternehmen eher ein Versuch, das Beste aus der aktuellen Lage zu machen und zu hoffen, dass schnell wieder alles in alten Bahnen läuft.

Der Begriff „Neue Normalität“ begleitet uns dabei übrigens schon seit März letzten Jahres. Kaum vier Wochen nach dem ersten Lockdown tauchte er im Kontext der Pandemie auf. Dabei war das „New Normal“ als Begriff nicht neu. Geprägt wurde der Begriff durch den österreichischen Sprachphilosophen und Politikwissenschaftler Paul Sailer-Wlasits im Zusammenhang mit politischem Populismus und mit der 45. US-Administration unter Donald Trump als neuer globaler Normalität.

Und wie mancher Sprachwissenschaftler bemerkte, widerspricht die Wortschöpfung sich eigentlich selber. Denn „Normalität“ ist etwas, dass uns täglich begleitet und geprägt ist von Bekanntem, immer Wiederkehrendem. Neu kann sie deshalb nicht sein. Und ebenso widersprüchlich wie der Begriff scheint die aktuelle Situation zu sein.

Wie Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne von 06.01.2021 bemerkte, wo „buchstäblich jeder Kinderspaziergang härter reguliert als die Arbeitsplätze“ ist, kann von Normalität in der Arbeitswelt wohl kaum die Rede sein. (Corona-Maßnahmen: Die Inkonsistenz ist unverschämt – Kolumne – DER SPIEGEL)

Homeoffice überall dort, wo es möglich ist

Aktuell wird appelliert, immer dort im Homeoffice zu arbeiten, wo es möglich ist. Ein Apell, ein Aufruf, der schon seit März gilt. Seit nahezu einem Jahr also. Ein Jahr, in dem viele Unternehmen diesem Aufruf nachgekommen sind und einige von ihnen haben sich den Ruck gegeben und Mitarbeiter angeleitet, ihnen Technik und Lösungen zur Verfügung gestellt, um professionell im Homeoffice zu arbeiten. Bei vielen funktioniert das sicherlich sehr gut. Man muss aber auch klarsehen, dass dies nicht überall der Fall ist.

Werfen wir einen Bick auf den klassischen Mittelständler, der sich bis letzten März nur in der Theorie mit dem Thema Homeoffice beschäftigt hat und diesen Gedanken dann auch schnell wieder verworfen hat. In einer Hauruck-Aktion hat er seinen Mitarbeitern Laptop und Headset zur Verfügung gestellt mit der nötigsten Software. Frau Müller konnte sich also alles Nötige abholen und mit nach Hause nehmen. VPN-Zugang zu den Firmendaten? Belehrung zur Datensicherheit? Schulung? Strategien zur virtuellen Zusammenarbeit und gegen Vereinsamung? Fehlanzeige, aber zumindest der VPN-Zugang funktioniert nach ein paar Tagen. Da Frau Müller nur Teilzeit arbeitet, darf sie nach 3 Tagen alles wieder in ein Kistchen packen und zur Zentrale fahren, damit die Kollegin die Technik für den Rest der Woche mit ins Homeoffice nehmen kann, selbstverständlich zusätzlich zu Homeschooling und Kinderbetreuung und unter Einhaltung von Kontaktbeschränkung und Abstand. Die neue Normalität – alles super, oder?

Sicher ist das ein Einzelbeispiel, aber sicher kein Einzelfall. Wer sich nicht schon vorher mit dem Thema Digitalisierung und virtueller Zusammenarbeit beschäftigt hat, wurde und wird immer noch ziemlich allein gelassen.

Und noch etwas anderes ist zu beobachten. Ohne offizielle Richtlinien und Regelungen seitens der Regierung beordert auch jetzt noch so mancher Chef seine Mitarbeiter ins Büro, oftmals nur mit dem nötigsten Abstand.

Digitalisierung? Ja! … Aber

Woran liegt es nun, dass manche sich so schwertun und andere scheinbar schon in der schönen, neuen digitalen Welt angekommen sind? Vielfach sicher an einer Mischung aus Unkenntnis und Unwillen. Gegen beides hätte geholfen, die Digitalisierung nicht nur als Zukunftsmusik und Innovationsprojekt zu sehen und zu warten, bis eine Pandemie zum Treiber selbiger wird.

Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, doch statt es zu retten, hört man ihm lieber dabei zu, wie es um Hilfe ruft und redet ihm gut zu.

Anders sind die Apelle, ohne klare Regeln und die fehlende Unterstützung bei der Digitalisierung, die neben Unternehmen vor allem auch Schulen betrifft, kaum zu verstehen.

Langsam scheint aber doch die Idee auf zu kommen, ein Seil in den Brunnen hinab zu lassen. Denn zumindest bei Schulen gibt es Bemühungen, das Distanzlernen mit Plattformen und Lösungen zu realisieren. Besser spät als nie.

Was fehlt dennoch? Nicht nur ein Appell an Unternehmen, Remote-Arbeiten nach klaren Richtlinien zu ermöglichen. Gesetzliche Regelungen für die Arbeit im Homeoffice und auch die Schaffung einer Infrastruktur, die das problemlos ermöglicht.

Zudem klare Richtlinien zu Onboarding, Führen aus dem Homeoffice, virtueller Zusammenarbeit und der Digitalisierung von Prozessen. Hier ist sicherlich nicht nur die Regierung gefragt, sondern jeder Einzelne.

Also Zeit zum Aufwachen und statt sich eine „neue Normalität“ als Übergangslösung schön zu reden, eine Normalität zu schaffen, in der Digitalisierung nicht Revolution ist, sondern ein Schritt einer gewollten Evolution ist.

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