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KI ist eine Schlüsseltechnologie für die digitalen Märkte von morgen und gleichzeitig ein wichtiges Querschnittsthema. Ziel des eco als größtem Verband der Internetwirtschaft Europas ist es, die Akzeptanz von KI zu fördern, indem er organisatorische, technische, rechtliche und ethische Fragestellungen prüft, diskutiert und nach außen kommuniziert. In seinen Leitlinien zum Umgang mit KI fordert eco unter anderem, dass KI zur Kernkompetenz der deutschen Wirtschaft werden muss. Unter dem Titel Service-Meister entwickelt ein Konsortium unter Leitung des eco-Verbands eine Plattform, die Serviceprozesse mit KI unterstützt. Dabei ist das Thema Sicherheit durchgängig zu betrachten und es besteht ein großer Bedarf, gemeinschaftlich Daten zu verwerten und dafür auch faire Mechanismen zu etablieren. Das Wertschöpfungsnetzwerk rund um KI-basierte Verfahren wird immer umfangreicher und digitale Infrastrukturen sind essenzieller Teil dieser Betrachtung. Eco bündelt dafür die Kompetenzen und ist eine maßgebliche Stütze für die Wirtschaft bei der Nutzung digitaler Dienste mit und aus dem Internet.

Der KI-Bereich hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt und rasant weiterentwickelt. Insbesondere dynamisch lernende Systeme kommen aktuell immer häufiger zum Einsatz und erschließen neue, bislang in dieser Form unbekannte Anwendungsbereiche. KI-basierte Anwendungen und digitale Assistenten sind für viele Menschen bereits Bestandteil des Alltags und haben auch im privaten Bereich Einzug gehalten. Diese Systeme kommen in Wohnhäusern, in Büroräumen, aber auch im Automobilsektor zum Einsatz, mit dem Ziel, Smart Homes beziehungsweise Smart Buildings und autonomes Fahren zu realisieren.

Alexander Limbach – stock.adobe.com

KI in der neuen Arbeitswelt

Der Einsatz von KI in der neuen Arbeitswelt sorgt aber auch vielerorts für Verunsicherung und Zweifel und wirft viele Fragen auf: Besetzt künftig eine Maschine meinen Arbeitsplatz? Werden für mich essentielle Entscheidungen, wie die über die Vergabe von Arbeit, bald von Algorithmen getroffen? Wird die menschliche Arbeit zunehmend wertlos? So berechtigt diese Sorgen sind, so sind Angst und Unwissenheit die denkbar schlechtesten Ratgeber, wenn mehr denn je Gestaltungswillen und das Streben nach kontinuierlicher Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten gefragt sind.

Fest steht derzeit vor allem folgendes: Die Arbeitswelt wird sich im Zuge der Digitalisierung massiv wandeln, Arbeit fällt nicht weg, sondern verändert sich und lebenslanges Lernen wird zur Grundvoraussetzung für  künftige berufliche Erfolge. Es ist davon auszugehen, dass nahezu jeder Arbeitsplatz von der Digitalisierung betroffen sein wird und die Spekulationen, wie viele und welche Arbeitsplätze in Zukunft wegfallen werden, variieren.

Tatsächlich befindet sich die Arbeitswelt nicht erst seit der industriellen Revolution im Wandel, sondern ist seit jeher von Fortschritt und stetiger Veränderung geprägt. Noch nie waren aber die Gestaltungspotenziale so groß wie in der digitalen Arbeitswelt und selten zuvor konnte man es sich – zumindest in den Industrienationen – erlauben, über den Wert der Arbeit unter ethischen Gesichtspunkten und vor dem Hintergrund wirtschaftlichen Wohlstands zu diskutieren. So wird gegenwärtig etwa ein Grundeinkommen als Ausgangspunkt für gesellschaftliche Teilhabe, den Mut zur Umsetzung innovativer unternehmerischer Ideen und ein selbst bestimmtes Leben in Betracht gezogen.

KI ist Einsager, Helfer und Automat

KI ist heute für spezifische Fähigkeiten programmiert. KI-Anwendungen haben daher „Inselbegabungen“, aber noch keine generelle Intelligenz, die mit den breiten Fähigkeiten des Menschen vergleichbar ist. Wir haben über 150 Anwendungsfälle von KI analysiert und kategorisieren die Wirkung von KI entlang dreier Schritte:

1. Unterstützende beziehungsweise augmentierende KI: Zu diesem Bereich gehören KI-Anwendungen, die menschliche Aufgaben unterstützen. Dabei agieren sie als „Einsager“ von Menschen. Sie führen repetitive Aufgaben aus, beziehungsweise nutzen die Fähigkeit, um nahezu in Echtzeit riesige Mengen an Informationen strukturiert zu vergleichen. Für einen Mitarbeiter in der Instandhaltung können die Ergebnisse zum Beispiel Handlungshinweise und ergänzende Informationen innerhalb einer Augmented-Reality-Brille sein. Entscheidungen und die Verantwortung liegen weiterhin beim Menschen, der sich die Rechenleistung von Computern und die Logik von Algorithmen zu Hilfe nimmt.

2. Automatisierende KI: In diesem Bereich führen KI-Anwendungen einen gesamten Prozessschritt ohne menschliches Zutun aus – sie sind Helfer für den menschlichen Arbeitsalltag. Anwendung findet dies ebenfalls bei wiederkehrenden Aufgaben, die nach einer vordefinierten Struktur abgearbeitet werden können. Sehr zeitkritische Anwendungen können ebenfalls durch KI automatisiert werden, z.B. die Gefahrenerkennung bei modernen PKW.

3. Autonome KI: Führen KI-Anwendungen einen gesamten Prozess basierend auf einem festgelegten Ziel aus, kommt autonome KI zum Einsatz. Sie agiert dabei als eigenständiger „Automat“ und der Mensch oder ein drittes System definiert nur das Ziel. Dies sind beispielsweise autonome Fahrzeuge in einem Logistikzentrum, die von einem Warenmanagementsystem disponiert werden und anschließend selbstständig navigieren, beladen und entladen. Menschen überwachen die Systeme hierbei.

Die meisten KI-Fähigkeiten können nicht mit dem Menschen mithalten

Während es bereits heute erfolgreiche Implementierungen für KI-Anwendungen für alle Fähigkeiten gibt, ist die Performance dieser Fähigkeiten in den meisten Fällen nicht auf demselben Level wie die eines Menschen.

Aufgrund technologischer Fortschritte in den vergangenen Jahren, sind KI-Fähigkeiten für die Sprach- und Objekterkennung mindestens on-par zu der des Menschen. Auch die Leistung bei Übersetzungen für starke Sprachpaare wie z.B. Deutsch und Englisch ist auf dem gleichen Niveau wie die eines Menschen.

Dass die Entscheidungssouveränität auch in Zukunft beim Menschen bleibt, ist – neben der Forderung nach maximaler Transparenz – eine der Kernforderungen an eine von ethischen Maßstäben und Verantwortungsbewusstsein bestimmte Arbeitswelt, in der KI immer mehr zur Normalität wird.

Geteilte Verantwortung in der digitalen Arbeitswelt

Das Thema „Unternehmerische Verantwortung“ wird auch in diesem Zusammenhang immer wichtiger. Es wird künftig weit mehr umfassen als die Frage nach der psychischen und physischen Unversehrtheit der Mitarbeiter und eine kosmetische Facette der Arbeitgeberattraktivität.

Den Wettlauf um die talentiertesten Fachkräfte werden die Unternehmen gewinnen, die sich schon heute eingehend mit Fragen beschäftigen, welcher Strategie und welchen Zielen der Einsatz von KI dienen soll, welcher Qualifizierungsbedarf mit ihm einhergeht und wie es gelingt, den eigenen Mitarbeitern größtmögliche Teilhabe einzuräumen. Die Sozialpartner und besonders die Gewerkschaften sind aufgerufen, diese Herausforderung gemeinsam und jenseits überholter ideologischer Grabenkämpfe anzunehmen und zusammen die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Deutschland Innovationschancen sinnvoll umsetzt und die Digitalisierung der Arbeitswelt zum Wohl aller Beteiligten gestaltet.

Quellen: Studie eco Verband und Arthur D. Little 2019: ISBN 978-3-9821487-0-0 KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – POTENZIAL UND NACHHALTIGE VERÄNDERUNG DER WIRTSCHAFT IN DEUTSCHLAND

https://www.eco.de/kuenstliche-intelligenz-potenzial-und-nachhaltige-veraenderung-der-wirtschaft-in-deutschland/ (Oliver Süme, Harald A. Summa, Alexander Rabe, Lars Riegel, Andreas Weiss, Henning Lesch, Lucia Falkenberg, Prof. Dr Nobert Pohlmann)


Andreas Weiss verantwortet den Geschäftsbereich „Digitale Geschäftsmodelle“ beim eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. Er ist seit 1998 für den Verband aktiv und leitete die Kompetenzgruppe E-Commerce und Logistik sowie später E-Business. Seit 2010 ist er als Direktor von EuroCloud Deutschland_eco e.V. und seit 2019 als Vorstandsmitglied von Trusted Cloud für die Cloud-Aktivitäten des Verbandes verantwortlich und engagiert sich darüber hinaus in weiteren Projekten zu den Themengebieten Künstliche Intelligenz, Datenschutz und DSGVO sowie Sicherheit und Compliance digitaler Services.

andreas.weiss@eurocloud.dewww.eurocloud.de

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