Es ist kaum ein halbes Jahr her, da wurden alle, denen es möglich ist, dazu aufgefordert, von zu Hause aus zu arbeiten. Spontan entstanden so zahllose Remote-Arbeitsplätze an Esszimmertischen, im Schlafzimmer oder auch in Abstellräumen – wo eben gerade Platz und Ruhe war.  

Nach dem ersten Lockdown sind zahlreiche Wissensarbeiter wieder in die Büros zurückgekehrt, in der Hoffnung, die neue Normalität könnte nun Einzug halten, mit Abstand, Maske und Lüften. Nun sind wir einige Monate später wieder nahezu am gleichen Punkt wie im März: „Wenn möglich, bitte von Zuhause aus arbeiten“. Der zweite Lockdown war nicht gewünscht, aber absehbar, betrachtet man die stetig steigenden Infektionszahlen seit Ende der Sommerferien.  

Was haben wir gelernt? Haben wir etwas gelernt? 

Haben Unternehmen wie auch Mitarbeiter etwas aus der Zeit des ersten Lockdowns mitgenommen? Fakt ist, Homeoffice ist in den Fokus der arbeitenden Bevölkerung gerückt und viele wollten auch weiterhin von Zuhause aus arbeiten, als es wieder möglich war. (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1104331/umfrage/einsatz-von-homeoffice-infolge-des-coronavirus/

Fakt ist leider auch, nicht viele Unternehmen haben die Zeit genutzt, um die Arbeitssituationen der Mitarbeiter in den Homeoffices zu verbessern. Viele sind auch jetzt wieder an dem Punkt, an dem langsame Laptops und fehlende technische Infrastruktur das Arbeiten von Zuhause aus erschweren. Sicher gibt es löbliche Ausnahmen, nur sind sie leider nicht die Regel.  

Die aktuelle Leesmann-Studie fasst die Situation gut zusammen: Nur 40% haben einen dedizierten Raum bzw. ein Büro Zuhause. Die Mehrheit von 60% hat entweder nur einen zum Arbeiten gedachten Bereich im Wohnzimmer oder arbeitet dort, wo gerade Platz ist.  

Wie müssen Arbeitsstätten im 21. Jahrhundert aussehen? 

Gehen wir davon aus, dass uns Digitalisierung und Pandemie noch lange erhalten bleiben: Wie müssen Arbeitsstätten des 21. Jahrhunderts dann aussehen, um Unternehmen, Mitarbeitern und auch Kunden optimale, motivationale und effektive Umgebungen zu schaffen? 

Der Virtual Interactive Professional, wie Philip Vanhoute den Typus der virtuell und remote arbeitenden Wissensarbeiters nennt, muss in 4 Bereichen glänzen: 

Schreiben/redaktionelles Arbeiten: Hier ist die Konzentration entscheidend. Dies erfordert einen geschlossenen Raum mit guter audio-visueller Privatsphäre oder kurz: RUHE. 

Präsentieren/Verkaufen: Eine energische Sprachkommunikation ist unerlässlich, um eine kraftvolle Botschaft zu vermitteln, die andere aber stören könnte … 

Interagieren: In virtuellen Meetings bei denen gutes Zuhören (Sprachverständlichkeit) und energische Zusammenarbeit unerlässlich sind. 

Auftanken: Abseits von Büroansichten und Sound – zur Kontemplation 

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Was man also an seinem Heimarbeitsplatz braucht, ist ein privater und geschlossener Raum, um das Schreiben/Verkaufen/Interagieren in ausgezeichneter akustischer Isolation zu ermöglichen. Und ebenso ‘Ausbruch’-Möglichkeit in den (arbeitsfreien) Räumen, um Energie zu tanken. 

Es ist daher nicht nur an der Zeit, Homeoffice, Remote-Arbeitsplätze und mobiles Arbeiten als eigenständige Möglichkeiten anzusehen, sondern als gesetzte Möglichkeiten, die – sofern es die Tätigkeit zulässt – jedem offenstehen sollten und für die eigenständige Räume geschaffen werden müssen.  

Nun ist es aber auch so, dass derzeit unsere Häuser und Wohnungen nicht darauf ausgerichtet sind, auch als Arbeitsplätze zu dienen. Andy Lake hat in diesem Zusammenhang einen interessanten Gedanken in seinem Artikel auf LinkedIn formuliert (https://www.linkedin.com/pulse/what-homes-21st-century-andy-lake/). In den letzten 40 Jahren ist der Wohnraum immer kleiner und standardisierter geworden. Möglichkeiten dort auch zu arbeiten, wurden beim Design außen vorgelassen. 

Was heißt das für die zukünftige Gestaltung von Wohnraum?

Zunächst einmal muss es, wenn das Haus als Arbeitsplatz genutzt wird, einen eigenen Raum für die Arbeit geben. Viele Menschen, die während des Lockdowns von zu Hause aus arbeiten, tun dies von Küchentischen, Ecken von Schlafzimmern oder vom Sofa aus. Diese sind meist aus ergonomischen Gründen ungeeignet. 

Auch wenn beim Thema Homeoffice oftmals nur die Wissensarbeiter adressiert werden, gibt es eine Vielzahl von Heimarbeitsplätzen und Neugründungen in Bereichen wie Handwerk, Textilien, Lebensmittelzubereitung, Einzelhandel und Therapien. 

Viele Unternehmen, Freiberufler und selbständige Unternehmer nutzen ihr Zuhause als Basis, während sie an mehreren Orten arbeiten. Diese Art der Arbeit ist sektorübergreifend, und einige wie Musiker oder Therapeuten, Landschaftsgärtner und Veranstaltungsorganisatoren benötigen gute Räume für die Entwicklung ihrer Dienstleistungen und zur Vorbereitung von Arbeiten sowie für Verwaltung, Marketing oder die Zusammenarbeit mit Partnern. 

Die Art des benötigten Raumes variiert je nach Art der Arbeit. Heimarbeitsplätze können daher nicht nach dem Prinzip “one size fits all” gestaltet werden. Je nach Art der Arbeit müssen sie auch für die technologische Ausstattung sowie die Möglichkeiten zur Kollaboration gestaltet werden, auch Akustik und die in Deutschland eher vernachlässigte Bandbreite müssen bedacht werden. 

Besonders das Thema Internetanbindung bereitet vielen Experten nach wie vor Schmerzen. „Es ist schmerzhaft festzustellen, dass die Anbieter von Netzwerkdiensten sich mehr auf Binge Watching (Netflix oder andere) konzentrieren als auf die Bereitstellung von Quality of Service für Echtzeitkommunikation. Wenn die Latenz/Ping mehr als 20 Millisekunden beträgt, dann ist ein Heimarbeiter de facto technisch arbeitslos“, fasst Smarter-Working-Experte Philip Vanhoutte zusammen.  

Mehr Grün im Büro 

 Im Zusammenhang mit (Heim-)Arbeitsplätzen sollte bei deren zukünftiger Gestaltung auch das Thema Biophilie betrachtet werden. “Biophilie” bezieht sich auf die angeborene Verbindung des Menschen zur Natur. Es gibt zahlreiche Forschungsergebnisse, die belegen, dass der Zugang zu natürlichem Licht, Geräuschen, Gerüchen und Texturen positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden hat und effektives Arbeiten unterstützt. An manchen Arbeitsplätzen ist dies schon in Form von lebenden Wänden oder anderen Grünflächen, Wasserspielen und Zugang zu echtem Tageslicht geschehen, in anderen ist das einzige Grün die Topfpflanze auf dem Schreibtisch. 

Im Homeoffice ist der Zugang zu natürlichem Licht und „echtem“ Grün häufig leichter zu erreichen als in Bürogebäuden. Sei es durch eine Terrasse oder auch einen Garten. Wie sich der Zugang zur Natur auf die tägliche Arbeit auswirkt und wie “Co-Working” mit und in der Natur möglich ist, beleuchtet unter anderem das Unternehmen Ozadi.

Neue Büros oder neue Heime? 

Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Beides. Komplett auf Büros in Unternehmen zu verzichten, ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Produktion beispielsweise kann nicht ins Homeoffice ausgelagert werden und beispielsweise auch im medizinischen Bereich ist Remote-Arbeit noch keine Option. Also keine Sorge, wer muss oder auch will, soll auch weiterhin in seinem Unternehmen vor Ort arbeiten. 

Aber hier wie auch an den Arbeitsplätzen im Wohnumfeld muss ein Umdenken stattfinden.  

Bei der Planung neuer und der Gestaltung vorhandener Arbeitsplätze muss strategisch vorgegangen werden. Das bedeutet, dass sowohl die Unternehmen als auch die Behörden die Zukunft der Arbeit in einem sich schnell verändernden digitalen Zeitalter angehen müssen. 

Unser Ziel sollte es nicht sein – wie es aktuell der Fall ist – uns in den Gegebenheiten zurecht zu finden, sondern großartige Arbeitsplätze zu schaffen, wo auch immer wir arbeiten. Wir müssen dafür sorgen, dass im Wohnraum ergonomisch optimale Arbeitsplätze verfügbar sind, die inklusive einer sensorischen und biophilen Umgebung und technologischen Voraussetzungen, ein breites Spektrum von Bedürfnissen erfüllen. 

Diese Räume sollten uns die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit geben, die man braucht, um nicht nur motiviert und erfolgreich zu arbeiten, sondern auch um ein abwechslungsreiches Leben zu führen. 

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